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Wie jedes Jahr, wird auch kommenden wieder die APP-Conference in Las Vegas, USA stattfinden. Neben der unbezahlbaren Erfahrung, ist der Besuch dieser aber natürlich auch mit hohen Kosten verbunden – gerade wenn man sich als Europäer schlicht auf einem anderen Kontinent befindet. Für alle diejenigen, welche diese finanzielle Herausforderung nicht alleine meistern können, bietet die APP jedes Jahr rund 10 Stipendienplätze, auf welche man sich bewerben kann.
Im letzten Jahr hat sich VPP-Member Jane beworben und das Glück einen der heiß begehrten Stipendienplätze zu erreichen.
Alle Informationen zur Scholarship findet ihr hier:
http://www.safepiercing.org/learn/conference/al-d-scholarships/

Welche Erfahrungen Jane im letzten Jahr machte, lest ihr hier im Interview.

Hallo Jane, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst dieses Interview mit uns zu führen. Bitte stelle dich doch nochmal kurz vor!

13728969_10205577220584412_9070783085436941855_nHi Loreia! Sehr gerne, bin sehr froh ein paar Worte sagen zu dürfen.
Ich bin 28 Jahre alt, ich komme ursprünglich aus Russland und wohne schon seit 6 Jahren in Düsseldorf. Ich arbeite als Piercerin in dem Living Illustrations Tattoo & Piercing Atelier.

Dankeschön! :) Du warst im Jahr 2016 einer der A.D. Scholars und konntest somit an der jährlichen APP Conference in Las Vegas teilnehmen. Wie kam es dazu, dass du dich beworben hast? Und wie war diese Erfahrung für dich?

Zum ersten mal habe ich von der APP Conference 2015 auf dem BMXnet erfahren. Während der Konferenz in Essen habe ich unter anderen Ryan Ouellette und Brian Skellie kennengelernt, welche die APP in den anderen Länder der Welt repräsentieren, vor allem im Bereich Fachweiterbildung für Piercer. Neben den Kenntnissen, die ich aus Ryans und Brians Vorträgen mitgenommen habe, war ich auch persönlich von der ganzen Industrie in den USA beeindruckt. Ich habe mich mittels Internet mit der APP vertraut gemacht und natürlich entstand sofort der Traum irgendwann mal dahin zu gehen. Ryan war in dem Fall wirklich meine Inspiration, da er mir vieles über die Möglichkeit einer Scholarship erzählt hat. Ich war sehr unsicher, ob ich eine solche Scholarship erreichen könnte, da ich ehrlich gesagt zu der Zeit sehr „frisch“ in dem Beruf gewesen bin – erst seit 1,5 Jahren. Ryan hat meine Unsicherheit jedoch vertrieben und mich dafür begeistert, mich für die Scholarship zu bewerben.
Ich war selbstverständlich einfach überglücklich, als ich dann einen Anruf von Caitlin (APP Administratorin) bekommen habe und sie mir zusagte, dass ich die Scholarship habe! Nach fast 2 Monaten des Auswahlverfahrens (Essay, Video-Vortrag, Interview per Skype) war es wirklich eine Ehre zu erfahren, dass ich für die Scholarship ausgewählt wurde. Ich war auch sehr gerührt, dass mein Platz von Industrial Strength gesponsort wurde – ich war in den Schmuck von dieser Firma einfach verliebt.
Zu dieser Zeit schien das alles mir immer noch als Traum . Allerdings musste ich um nch Amerika fliegen zu können, zuerst ein Visum beantragen.
Aber ich hab mich wirklich überglücklich gefühlt, dass meine Kandidatur gepasst hat und ich so eine Chance bekommen habe. Das Visum schien im Vergleich mit dem Wettbewerb bei der Scholars-Auswahl nicht so dramatisch.
Die Vorbereitungsphase vor der Konferenz fand ich super seriös gestaltet: wir (die Scholars) hatten Schulungen via Skype sowie mehrere Aufklärungsinterviews und Video-Trainings. Ich kann wirklich behaupten sagen, dass wir danach einfach mit vollem Wissen ausgerüstet in Las Vegas angekommen sind. Das erste was ich bemerkt habe und was einem das Herz wärmt war diese Family-Einstellung. Ich konnte es mir kaum vorstellen, dass ich wirklich noch eine Piercing-Familie bekommen würde: die Leute auf der anderen Seite der Welt, die genauso leidenschaftlich ihr Beruf ausüben und das manchmal schon seit über 20 Jahren!
Und außerdem hat sich daraus wirklich eine Industrie erschaffen: mit Weiterbildungen, Fach-Treffen, Fachgruppen um Erfahrung und Skills miteinander zu teilen. Das faszinierte mich wirklich: man wollte nicht nur das eigene Geschäft aufbauen und in Ruhe sein Geld verdienen, sondern man wollte wirklich den Kollegen beistehen, das eigene Wissen verbreiten und verbreitern und somit die höchst mögliche Professionalität erreichen. Total beeindruckend!

Und wie war die Erfahrung der Konferenz selbst für dich? Von welchem Seminar hast du für dich am meisten mitnehmen können und warum?

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Arbeit am Rafflebooth

Die Konferenz an sich fand ich gar nicht so anstrengend, wie man es am Anfang an beschrieben hatte. Natürlich war es viel Arbeit, viele neue Gesichter und jede Menge Informationen, die man „verdauen“ musste, aber ich kam damit sehr gut klar. Also, ein Breakdown hatte ich Gott sei Dank nicht. Wahrscheinlich auch deswegen, da die Super-Volunteers und das ganze Volunteer Team immer zur Verfügung stand und immer super aufmerksam zu den Neulingen war.
Die Maßstäbe der Konferenz haben mich natürlich auch sehr beeindruckt: mehr als 800 Teilnehmer und eine unglaublich starke und professionelle Leistung der Dozenten – zumindest in allen Vorlesungen, die ich besucht habe.
Ich fand die Anatomie-Seminare am nützlichsten, da es für mich es  am wichtigsten ist, den Körper wirklich gut zu kennen, bevor man an diesen scharfe Objekten anlegt. Was ich damit sagen möchte: ein Piercing ist tatsächlich eben nicht einfach nurein Loch in einem Gewebe – man MUSS wirklich verstehen, was man macht, und die anatomischen Regeln natürlich im spezifischen kennen. In unserem Beruf ist es essentiell zu wissen, wie der Körper auf den Eingriff regieren wird. Die Techniques-Workshops fand ich natürlich auch sehr interessant und äußerst wichtig: das war eine perfekte Möglichkeit das Wissen zu teilen und die akuten Alltagsfragen mit den Kollegen zu besprechen, um somit den perfekten Weg für bestimmte Fällen zusammen finden zu können. Außerdem fand ich es super, dass die Leute auch nach den Vorlesungen, an der Bar oder am Pool den Arbeitsalltag angeregt besprochen haben. So eine Hingabe fand ich absolut faszinierend und sehr zu mir sehr passend.

In solch einer Entfernung von daheim, mit den klimatischen Bedingungen und der fremden Sprache und Kultur steht man sicher auch hin und wieder vor Herausforderungen, oder? Was war deine größte Challenge? Wie hast du diese meistern können?

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UK meets Germany

Allerdings! Ich muss sagen, es war eine sehr weise Entscheidung gewesen 2 Tage vor dem Konferenzanfang anzukommen: ich hatte (fast!) genug Zeit um den Jetlag zu überstehen und mich an die Hitze zu gewöhnen.
Die größte Challenge war wahrscheinlich die Stadt selbst: ich muss sagen, ich bin kein Fan von Las Vegas. Und es war wirklich anstrengend für mich, dass man absolut keine ruhige Ecke dort finden kann um sich mal kurz zu verschnaufen. Natürlich ist man in Las Vegas von Allem versucht: Gambling, Drinks, Parties..die größte Versuchung für mich waren die Unterhaltungen am Pool oder an der Bar mit den Kollegen. Aber manchmal muss man einfach hoch ins Zimmer und schlafen ;). Auch die Kultur war ein bisschen herausfordernd: die Amerikaner sind wirklich sehr offen, sehr emotional – die Russen sind da ein wenig anders. Aber während der Konferenz habe ich verstanden, wieso man sich so emotional fühlen kann: die Mitglieder dieser großer Piercing-Familie treffen sich in der Anzahl nur einmal im Jahr – man hat nur 6 Tage um ALLES hinzukriegen, was einem das ganze Jahr lang fehlte.

Gab es für dich Veränderungen in deinem alltäglichen Arbeiten nach der Konferenz?

Natürlich, sehr sogar! Es kann natürlich sein, dass es für mich so viel Bedeutung hatte, weil ich wie gesagt noch relativ neu in der Industrie bin und noch ganz viel zu lernen habe. Aber genau deswegen fand ich es so unglaublich super, dass ich ganz am Anfang meiner Piercing-Karriere an beidem, APP-Conference und BMXnet, teilngenommen habe.
Ich habe z.B. sofort die Markierungs-Techniken ausprobiert, welche ich auf der Konferenz gesehen habe. Und auch im Bereich Instrumentenaufbereitung habe ich einige Verbesserungen machen können – dank der Erfahrung und Aufklärung von den amerikanischen Kollegen. In Deutschland ist der High-End Schmuck noch nicht so verbreitet, wie in den USA, aber für mich hat dieses Verfahren auch eine hohe Priorität, deswegen hab ich auch viele nützliche Tipps und Tricks von den dortigen Teilnehmern gelernt.

Never stop learning! Das gilt wohl für jeden Piercer – egal ob Neuling oder alter Hase.;)
Was sind deine Ziele für das kommende Jahr?

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Jane + Fakir

Ich habe momentan vieles vor Vor allem will ich gerne den deutschen VPP unterstützen und versuchen soviel wie möglich zu helfen die deutsche Piercingindustrie weiter voranzubringen.
Im Bezug auf meinen Alltag will ich natürlich meine Skills weiterentwickeln, vor allem im Bereich freehand piercen. Das ist ja eine pure Meisterschaft!
Meine größte Herausforderung für das nächste Jahr ist mit dem High-End Schmuck richtig anzufangen, den Kunden die Wichtigkeit der Schmuckqualität klarzumachen und im Anschluss eine Möglichkeit zu haben nur das Beste für meine Kunden anbieten zu können. Drüber hinaus will ich natürlich zu dem guten Ruf der Industrie in Deutschland beitragen und die Qualität um die Professionalität dieses Berufes nachweisen zu können.

Vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten! Falls du noch ein Schlussstatement machen möchtest: The stage is yours.

Es war mir ein Vergnügen! Ich danke dir vielmals für diese Möglichkeit!
Ich wollte vielleicht nur das Eine sagen: innerhalb diesen Jahres habe ich zahlreiche Kollegen getroffen, die wirklich leidenschaftlich arbeiten und alles machen damit das Piercen nicht mehr den Hinterhofgeschäftsruf hat, sondern den Ruf als ein schönes und professionelles Berufsfeld. Das finde ich absolut richtig: liebe was du machst, mach das vernünftig und professionell, dann bist du wirklich glücklich und erfolgreich.

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VPP-Volunteers 2016

(Das Interview wurde am 20.09. geführt – knapp eine Woche später durften wir Jane als Mitglied im VPP begrüßen)

 

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