Vorgestellt: Mit Herz, Haltung und Nadel – Janna aus Braunschweig im Interview

Hallo Janna, wir freuen uns Dich als neues Mitglied bei uns im Verband begrüßen zu dürfen und bedanken uns, dass du dir Zeit nimmst dieses Interview mit uns zu führen.

Magst Du uns ein wenig mehr zu dir und deiner Person verraten? Wer bist du und wie bist du zum piercen gekommen?

Hallöchen! Ich bin Janna aus Braunschweig, 35 Jahre alt, und bin wie so viele in unserer Branche durch einen glücklichen Zufall zum Piercen gekommen. Während ich unmittelbar nach meinem Abitur auf ein paar Uni-Wartelisten stand, hat mein Vater meine jetzige Stiefmutter kennengelernt – die Mitbegründerin der ZONE – und bevor ich mich auf die faule Haut lege, sollte ich mich dort im Laden als Aushilfe etwas nützlich machen. Ich habe also angefangen, Piercingschmuck zu verkaufen, und nach einiger Zeit wurde ich gefragt, ob ich mir nicht auch das Piercen vorstellen könnte. Unbedingt! Und so habe ich zu meiner Leidenschaft gefunden und bin einfach geblieben.

Dankeschön! Was bedeutet Dir das Piercen persönlich und beruflich?

Persönlich ist es für mich eine Form der Selbstbestimmung. Menschen können mit ihrem Körperschmuck aktiv ihr Äußeres nach ihren Vorstellungen gestalten und über sich hinaus wachsen. Denn ein Piercing ist ja mehr als bloß eine Halskette, die man sich umlegt. Mit der Aufregung vor dem Stich umzugehen, sich zu regulieren und anschließend stolz auf sich zu sein, dass man es geschafft hat, ist jedes Mal etwas ganz Besonderes. Und dann bleibt zur Belohnung auch noch dieses fantastische Schmuckstück, das man nun jeden Tag im Spiegel sehen kann!
Beruflich gesehen bin ich jeden Tag einfach nur dankbar dafür, meinen Lebensunterhalt mit meiner Leidenschaft verdienen zu dürfen. Die Menschen kommen zu uns, weil sie Körperschmuck genauso schätzen wie wir, und ihnen dabei unterstützend zur Seite stehen zu dürfen, sich dahingehend auszuleben, ist ja wohl das Größte!

Welche Schwerpunkte oder Themen liegen Dir in deiner Arbeit, neben dem Piercen, besonders am Herzen?

Ich habe es oben bereits angedeutet, Selbstbestimmung ist meiner Meinung nach ein Riesenthema in unserer Branche! Im Positiven wie im Negativen. Es ist wahnsinnig rührend, wenn junge Mütter sich z.B. nach dem Stillen ein Piercing stechen lassen als kleinen Meilenstein dafür, wieder mehr zu sein als „nur“ Mutter. Nicht selten holen sie sich damit ihren Körper wieder als eigenständige Person zurück, nachdem sie lange das Gefühl hatten, ausschließlich für andere da zu sein. Ein Piercing ist sozusagen also ein egoistischer Akt der Selbstfürsorge und das meine ich absolut positiv! Gleichzeitig werden wir im Berufsalltag aber auch gelegentlich mit Fällen konfrontiert, in denen sich Personen ein Piercing fremdbestimmt stechen lassen würden, weil die Freundin einen vielleicht unter Druck setzt oder der Partner das gerne hätte. Wir versuchen in solchen Fällen unser bestmöglichstes, die Betroffenen zu unterstützen und andere Wege zu finden. Ist doch nur nachvollziehbar, dass ein Piercing, welches dein Körper einfach nicht haben möchte, auch unmöglich abheilen kann!

Welche Tätigkeit als piercende Person wird, deiner Meinung nach, am meisten unterschätzt?

Die Arbeit mit Menschen. Anders als Tätowierende, die mitunter viele Stunden am Stück mit ihren Gästen verbringen, switchen wir an starken Tagen innerhalb weniger Minuten zwischen den Terminen hin und her. Das heißt jedes Mal eine neue Persönlichkeit, auf die wir uns einlassen, ein neues Thema, das wir besprechen, ggf. ein neues Problem, dass wir behandeln. Das fällt mir nicht immer leicht und ich baue meine Freizeit so gut es geht drum herum auf, sodass meine soziale Batterie bestmöglich im grünen Bereich bleibt.

Fehler passieren. Wie gehst du mit Situationen um in denen das Piercing nicht so gelungen ist wie Du das wolltest?

Zum Glück habe ich gar keine Schwierigkeiten damit, bei anderen um Entschuldigung zu bitten. Wenn ich unzufrieden bin, kommuniziere ich das mit meinen Gästen, erläutere, was genau ich gerne optimieren würde, sodass wir gemeinsam eine Lösung finden, und mache es besser!

Gibt es Vorbilder oder Schlüsselmomente, die Dich in deiner Entwicklung als piercende Person beeinflusst haben?

Ich erinnere mich an ein Webinar von Lola Slider während des Lockdowns, in dem es u.a. darum ging, dass man nicht immer „super bubbly“ sein muss um geschätzt zu werden. Authenzitität is key! Und da ich nicht zu den aufgeschlossenen Honigkuchenpferden gehöre, hat mich das total abgeholt, weil ich immer fürchtete, von unseren Gästen als distanziert wahrgenommen zu werden. Heute weiß ich, dass einige meine Art sogar besonders schätzen und dass es dabei kein „besser“ oder „schlechter“ gibt.

Jetzt wo Du offizielles Mitglied im VPP bist- was hat dich motiviert, Mitglied im Verband zu werden?

Die Tatsache, dass man bestimmte Richtlinien erfüllen muss, um Mitglied zu sein. Man kann sich also nicht einfach mit einem jährlichen Betrag „einkaufen“. Meine Vorgesetzte hat es so schön beschrieben: „Der VPP ist das Demeter-Siegel der deutschen Piercingindustrie!“ Davon wollte ich unbedingt ein Teil sein!

Für deine Bewerbung müssen unterschiedliche Anforderungen erfüllt sein, welche war die größte Hürde für Dich?

Der Hygieneplan! Für Laien muss man dazu sagen: Der Hygieneplan ist keine Abhakliste an der Wand, sondern ein Riesenordner voller Dokumente zu den Themen Hygiene, Instrumentenaufbereitung, Arbeitsschutz, Unfallverhütung, Müllentsorgung, rechtliche Auflagen etc., die spezifisch auf das eigene Studio zugeschnitten sind. Praktisch arbeiten wir seit jeher nach den entsprechenden Anforderungen. Diese aber endlich strukturiert niederzuschreiben war eine wahre Mammutaufgabe und ich bin heilfroh, das ein für allemal erledigt zu haben!

Was erhoffst Du dir von deiner Mitgliedschaft im Verband?

Ich bin hochmotiviert, mich aktiv am Wachstum des Verbands zu beteiligen und tolle Projekte auf die Beine zu stellen. Ich selber erhoffe mir durch meine Mitgliedschaft die sprichwörtliche Trennung von „Spreu und Weizen“. Ich weiß, dass ich mich fachlich von zahlreichen Mitbewerbenden unterscheide. Durch meine Mitgliedschaft ist dies nun aber auch belegt und für alle ersichtlich!

Vielen lieben Dank für dieses Interview. Ich möchte Dir die Möglichkeit bieten zum Schluss noch etwas zu sagen. Gibt es noch etwas Persönliches oder Besonderes, das du gerne mit uns teilen möchtest?

Die Mitgliedschaft im VPP war tatsächlich mein höchstes Karriereziel und ich könnte glücklicher nicht sein, dies nun erreicht zu haben! Danke, dass es euch gibt! Ich freue mich auf die kommende Zeit und den Austausch miteinander!

Kontaktdaten:

https://www.instagram.com/janna_piercing

ZONE – Piercing & Tattoo


Goslarsche Straße 28
38118 Braunschweig

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