Vorgestellt: Zwischen Punk, Präzision und Menschlichkeit – Anna, Piercerin aus Essen im Interview

Hallo Anna, wir freuen uns Dich als neues Mitglied bei uns im Verband begrüßen zu dürfen und bedanken uns, dass du dir Zeit nimmst dieses Interview mit uns zu führen.

Magst du uns ein wenig mehr zu dir und deiner Person verraten? Wer bist du und wie bist du zum Piercen gekommen?

Hallo, ich bin Anna, noch 39 Jahre alt und habe ein kleines Piercingstudio in Essen, NRW. Mein Interesse für Piercing begann schon ganz früh, bereits mit 14/15 Jahren kaufte ich mir damals regelmäßig die Piercing-Zeitschrift (die alten Hasen unter uns kennen diese noch) und fand Körperschmuck jeglicher Art schon immer spannend. Mit 18 Jahren hab ich mir mein erstesPiercing und Tattoo stechen lassen und hab in dem Studio eine Tätowiererin kennengelernt, die irgendwann in einem neueröffneten Shop zu arbeiten angefangen hat. Dort hab ich bei der Eröffnungsparty einfach gefragt, ob die auch ausbilden würden. Zu dieser Zeit befand ich mich inder Ausbildung zur Physiotherapeutin, was mein großes Glück war, denn der Chef wollte nur Leuteausbilden, die vorher eine medizinische oder pflegerische Ausbildung hatten. Nach einem Praktikum war klar: das will ich machen! Ich habe also meine Ausbildung abgeschlossen und bin umgezogen, um das Piercen zu lernen. Das ist nun 17 Jahre her und seitdem wollte ich nichts anderes mehr machen 🙂 Nach meiner Ausbildung in Pforzheim, bin ich in den Pott gezogen und war noch 5 Jahre angestellt, bis ich mich getraut hab mich selbstständig zu machen. Und das warfür mich tatsächlich die allerbeste Entscheidung.

Dankeschön! Was bedeutet dir das Piercen persönlich und beruflich?

Piercings bzw. Körperkunst jeglicher Art sind für mich Freiheit und Ausdruck persönlicher Ästhetik. Ich find es toll, dass Piercings sowohl subtil als auch offensichtlich Ausdruck kultureller, subkultureller oder individueller Zugehörigkeiten und Geschmäcker sein können. Ich mag aber auch die Arbeit mit den unterschiedlichsten anatomischen Gegebenheiten. Jedes Ohr, jede Nase, jeder Bauchnabel ist anders und so sticht man zwar immer das gleiche aber nie ein identisches Piercing und das bringt immer Spaß und Spannung 🙂 Ich persönlich komme aus der Punkszene, demnach waren Piercings immer auch ein Zeichen von Rebellion und Individualität.

Welche Schwerpunkte oder Themen liegen dir in deiner Arbeit, neben dem Piercen, besonders am Herzen?

Das Wissen und auch Verständnis für den eigenen Körper. Nicht nur sind wir alle individuell inunserer Anatomie sondern auch in unserer Lebensgestaltung und das kann die Heilung eines Piercing beeinflussen. Das ist aber auch okay und man darf nicht zu streng mit sich sein. Der Mensch hinter dem schönen Schmuck ist für mich wirklich eine Herzensangelegenheit.

Welche Tätigkeit als piercende Person wird, deiner Meinung nach, am meistenunterschätzt?

Das Putzen und die Hygiene 😀 Wir putzen alle wirklich viel.

Fehler passieren. Wie gehst du mit Situationen um in denen das Piercing nicht sogelungen ist wie du es wolltest?

Natürlich, Fehler sind sehr menschlich und wir sind keine Maschinen. Ich versuche dann immersehr transparent mit der Kundschaft zu sein und es besser zu machen. Fehler sind auch immer eine Chance zur Weiterentwicklung.

Gibt es Vorbilder oder Schlüsselmomente, die Dich in deiner Entwicklung als piercende Person beeinflusst haben?

Tatsächlich die BMXnet. Ich wurde nach Art „alter Schule“ ausgebildet, was für meine Disziplinsuper war. Aber der Austausch mit Kolleg:innen aus der ganzen Welt hat mich tatsächlich wachsenlassen. So hab ich nach und nach Mut gefasst meinen eigenen Weg zu gehen und bin da unglaublich froh drum. Seitdem ist die BMXnet ein fester Teil meiner Jahresplanung, denn ich lerne immer wieder was dazu.

Jetzt wo du offizielles VPP-Mitglied bist- was hat dich motiviert, Mitglied im Verbandzu werden?

Ich finde, dass der VPP bisher eine sehr wichtige Arbeit geleistet hat und soll das auch weiterhin tun. Die Branche sollte ein „Miteinander“ statt ein „Gegeneinander“ sein, denn wir können alleimmer nur voneinander lernen und so die Arbeit an und mit unserer Kundschaft weiterhinverbessern. Das funktioniert nur durch Austausch und das habe ich bei meinen Kolleg:innen vom VPP gefunden. Dann kann ich auch gleich ein Teil davon sein 😉

Für deine Bewerbung müssen unterschiedliche Anforderungen erfüllt sein, welche wardie größte Hürde für dich?

Oh ja, da war einiges nötig, aber tatsächlich war die größte Herausforderung selbstständig einenneuen Boden im Bad zu verlegen 😀 Der Rest wie z.B. die Hygiene- und Putzpläne mussten zum Glück nur auf Vordermann gebracht werden.

Was erhoffst du dir von deiner Mitgliedschaft im Verband?

Wie oben schon erwähnt, hoffe ich aus Austausch und Weiterentwicklung, sowohl für mich persönlich als auch im Sinne unserer Kund:innen. Ich bin gespannt, wie ich mich einbringen kann und freue mich einfach Teil einer tollen Truppe zu sein.

Vielen lieben Dank für dieses Interview. Ich möchte dir noch die Möglichkeit bieten zum Schluss noch etwas zu sagen. Gibt es noch etwas Persönliches oder Besonderes,das du gerne mit uns teilen möchtest?

Ich freue mich auf alles was kommt. Danke, dass es euch gibt!